… dass Autoren, die in meinem Alter (33 Jahre) oder jünger sind, keine guten Bücher schreiben können. Denn, wie auch zahlreiche andere Bibliophile, träume auch ich davon, irgendwann mal selbst ein Buch zu schreiben. Bisher habe ich das nicht getan, geschafft, hinbekommen und getröstet habe ich mich damit, dass ich einfach noch zu jung bin und es noch mehr Lebenserfahrung bedarf, um ein Buch schreiben. Das muss ich nun revidieren. Zum Einen, weil ich dann irgendwann keine Bücher mehr lesen kann, denn vermutlich werden irgendwann auch alle Autoren jünger sein als ich und zum Anderen, weil ich gerade einen unglaublich tollen Debüt-Roman von einer 34-jährigen gelesen habe.
Die Autorin heißt Astrid Rosenfeld und ihr Erstling Adams Erbe. Es geht um Edward Cohen, einen jungen Mann, der in der heutigen Zeit lebt und um Adam, den Bruder seines Großvaters, dem Edward angeblich so ähnlich sieht. Edward hat keine leichte Kindheit. Seinen Vater kennt er nicht, seine naive Mutter verliebt sich in Männer, die ihr schaden und seine energische Oma ist stets bemüht, seine Mutter zu verkuppeln (nur, dass diese sich eben immer für andere Männer entscheidet).
Eines Tages entdeckt Edward auf dem Dachboden des Hauses, in dem schon mehrere Generationen von Cohens gelebt haben, die Lebensgeschichte seines Großonkels Adam, von ihm selbst aufgeschrieben. Die Geschichte beginnt in Berlin, nach dem 1. Weltkrieg. Adam gilt als etwas langsam im Kopf (Andreas Steinhöfel würde ihn vermutlich als “tiefbegabt”
bezeichnen), fliegt deswegen gewissermaßen aus der Schule und bekommt einen Privatlehrer. Die engste Bezugsperson in seiner Kindheit wird nicht etwa seine Mutter, sondern seine Oma Edda, die ein besonderes Geschick darin besitzt, sich Männer gefügig zu machen und die in den Augen anderer Menschen lesen kann - zwei “Gaben,” die sich im Laufe der Jahre als sehr brauchbar und sogar lebensrettend herausstellen. Doch das liest besser ein jeder selbst nach…
Mit ihrem Erzähltalent gelingt es der Autorin, ein so erstes Thema wie die Judenverfolgung im 3. Reich mit einem Humor zu erzählen, der das Absurde, das Grausame voll zum Ausdruck bringt. Adams Erbe stimmt aufmunternd, heiter, zutiefst betroffen und traurig und hinterlässt ganz sicher jeden Leser nachdenklich. Ein Buch, das mich zutiefst berührt hat!
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