Elin Hilderbrand: Silver Girl

Geschrieben von Jule am 13. März 2012 | Abgelegt unter Belletristik

Ich bin wieder mal begeistert von Elin Hilderbrands neuestem Roman. Diesmal geht es um ein Frau, deren Leben von heute auf morgen auf den Kopf gestellt wurde. Meredith ist die Frau von einem USA-weit bekannten Finanzberater, der seiner Familie Millionen eingebracht hat. Meredith hat in den letzten Jahren gelernt, dieses Geld auszugeben und ein schönes Leben unter Reichen zu führen, als das FBI plötzlich ihren geliebten Mann verhaftet und das ganze Land erfährt, dass er auf Kosten seiner Investoren gelebt und deren Geld veruntreut hat. Meredith Welt bricht zusammen. Sie steht (fälschlicherweise) unter dem Verdacht, von all dem gewusst zu haben, vor ihrer Wohnungstür lauern die Paparazzi und alle Freunde und Bekannten haben sich von ihr abgewandt. Und Geld hat sie natürlich auch keines mehr. Alle denken, sie habe auf Kosten anderer gelebt, viele haben durch ihren Mann ihr Hab und Gut verloren. Da besinnt sie sich auf ihre Jugendfreundin Connie. Und tatsächlich gewährt diese ihr Unterschlupf in ihrem Sommerhaus auf Nantucket. Dort möchte Meredith - unentdeckt vom Rest der Welt - ihr Leben neu ordnen. Doch dazu kommt es erstmal nicht, denn offensichtlich wird sie beobachtet und Vandalen machen sich am Haus zu schaffen.

Die Autorin hat sich von einem Zeitungsartikel zu diesem Roman inspirieren lassen. Dort war die Rede von einer Frau in eben solch einer Situation. In Silver Girl bekommt der Leser nun die Möglichkeit, sich in die Lage dieser meist gehassten Frau zu versetzen, ihre eigene Verzweiflung zu spüren und zu erleben, wie sie wieder auf die Beine kommt. Das Buch ist spannend und fesselnd und viele Dinge klären sich erst zum Ende hin auf.

Bisher gibt es das Buch nur auf Englisch, im Mai erscheint es auf Deutsch unter dem Titel Inselglück. Wer nicht so lange warten möchte, kann sich z. B. Barfuß zu Gemüte führen - ein anderer wunderbarer Roman von Elin Hilderbrand.

Erin Hunter, Seekers

Geschrieben von Jule am 18. Februar 2012 | Abgelegt unter Belletristik

Die Autoren von Warrior Cats (hinter Erin Hunter verbergen sich gleich mehrere Autoren) haben bereits eine zweite Serie mit sechs Bänden geschrieben, von denen der erste gerade frisch auf Deutsch erschienen ist.

In Seekers geht es nicht um Katzen, sondern um drei junge Bären, die sich auf eine abenteuerliche Reise im Norden Amerikas begeben. Es handelt sich um eine anrührende Geschichte, aus der Perspektive der drei Bären erzählt. Sie müssen schwere Hindernisse überwinden und immer wieder ums Überleben kämpfen. Nicht zuletzt die Menschen erschweren ihre Lebensbedingungen. Liebevoll erzählt, ist dieses Abenteuer nicht nur für junge Leser ein Genuss.

Bill Bryson, Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Geschrieben von Jule am 23. Januar 2012 | Abgelegt unter Allgemein

Herrlich!! Mit seinem typischen Bryson-Humor erzählt uns der Autor Wissenswertes, was so nicht unbedingt im Lexikon steht. Eine Kulturgeschichte der etwas anderen Art, die zeigt, dass die Menschheit immer schon ein wenig verrückt gewesen ist. Besonders als Hörbuch für längere Autofahrten zu empfehlen.

“Delirium”

Geschrieben von Jule am 23. Januar 2012 | Abgelegt unter Belletristik

Nach Lauren Olivers erfolgreichem Jugendbuch “Wenn du stirbst zieht dein ganzes Leben an dir vorbei” ist nun ihr neuer Roman erschienen. Die Hauptperson in Delirium ist ein 18-jähriges Mädchen. Sie lebt in einer Zeit, in der die Liebe als eine Krankheit gilt. Menschen, die von ihr befallen sind, verändern sich, können durchdrehen und unzurechnungsfähig werden. Um das zu vermeiden, hat die Wissenschaft ein Mittel entwickelt, das verhindert, dass Menschen sich verlieben. Doch bei Lena geht etwas schief, sie verliebt sich in einen Jungen - der Kampf um die Liebe beginnt.
Ein spannender, durchaus realistischer Roman für Jung und Alt. Und ich kann es kaum erwarten, bis Anfang März der zweite Teil der Trilogie, Pandemonium erscheint. Bestellt habe ich ihn natürlich schon.

The Help

Geschrieben von Jule am 23. Januar 2012 | Abgelegt unter Literaturverfilmungen

Ein wunderbarer Roman ist verfilmt worden! Und hier ist der Filmtrailer.

Über die Situation des Buchmarktes …

Geschrieben von Jule am 6. Dezember 2011 | Abgelegt unter Literatur in den Medien

… hat der Journalist Michael Jürgs einen grandiosen Artikel geschrieben, der mir aus der Seele spricht. Hier ein kleiner Ausschnitt:

“Es wurden und werden zu viele sprachlose Bücher gedruckt, nach deren schon flüchtiger Lektüre man all die Bäume um Vergebung bitten möchte, die für den Schund ihr Leben lassen mussten. Es gibt aber Bücher, die werden leidenschaftlich nachts verschlungen, weil sie nur im Rausch begreifbar sind und nach deren letztem Satz sich der von ihnen verführte Leser so verlassen vorkommt wie nach dem Ende einer großen Liebe. Trost gibt es: Wer ein gutes Buch so sinnlich begriffen hat, begreift zukünftig sich selbst ein bisschen mehr.”

Wer weiter lesen möchte, u. A. über die Idee einer Aufspaltung der Bestsellerlisten in literarische Listen und welche für den Massengeschmack, der findet hier den gesamten Artikel.

Endlich: ein neuer (alter) McCarten

Geschrieben von Jule am 6. September 2011 | Abgelegt unter Belletristik

Liebe am Ende der Welt - so lautet der Titel von Anthony McCartens neuem Buch. Dazu muss gesagt sein, es handelt sich um einen älteren Titel, in englischer Sprache schon seit 1999 lieferbar (Spinners), aber jetzt erst übersetzt. Für eine Buchhändlerin gibt es kaum was Aufregenderes, als ein Paket mit neuen Leseexemplaren auszupacken und dabei ein neues Buch von einem Lieblingsautor zu entdecken. So geht es mir bei Anthony McCarten.

Liebe am Ende der Welt spielt in der neuseeländischen Kleinstadt Opunake. Wie in jedem Dorf wird auch dort viel getratscht. Und wie in Englischer Harem geht es auch hier darum, was die Leute mit ihrem Gerede anrichten und wie sich dadurch Menschenleben auf fatale Weise ändern können. Nur, dass die Geschichte ein völlig andere ist.

Es beginnt sehr skurril. Delia, ein junges Mädchen aus Opunake berichtet dem Dorfpolizisten, dass ihr Außerirdische begegnet seien, sie in ihr Raumschiff mitgenommen und mit ihr Sex gehabt hätten. Die unglaubwürdige Geschichte macht im Ort schnell die Runde und Delia wird zur Zielscheibe und zum Gespött der Leute. Dennoch hält sie an ihrer Geschichte fest. Die Lage spitzt sich zu als herauskommt, dass Delia schwanger ist und scheinbar auch noch mit zwei weiteren Mädchen der Stadt das gleiche geschehen ist. Dann ist da noch der neue Bibliothekar von Opunake, der Delia sehr mag und ihr helfen möchte und der anhand der ausgeliehenen Bücher sehr viel über die einzelnen Einwohner in Erfahrung bringen kann. Und es geht um Hässlichkeit und um Liebe und was diese - im negativen wie im positiven Sinne -zu bewirken vermögen. Und um Lebensphilosophien und dass jeder seine eigene haben sollte.

Ein toller Roman, gefüllt mit Lebensweisheiten und schönen Metaphern. Er erreicht nicht die Größe von Englischer Harem, aber seine Lektüre ist ein voller Genuss. Ich mag McCartens Art zu schreiben sehr.

Bisher vertrat ich die Ansicht, …

Geschrieben von Jule am 1. Juli 2011 | Abgelegt unter Belletristik

… dass Autoren, die in meinem Alter (33 Jahre) oder jünger sind, keine guten Bücher schreiben können. Denn, wie auch zahlreiche andere Bibliophile, träume auch ich davon, irgendwann mal selbst ein Buch zu schreiben. Bisher habe ich das nicht getan, geschafft, hinbekommen und getröstet habe ich mich damit, dass ich einfach noch zu jung bin und es noch mehr Lebenserfahrung bedarf, um ein Buch schreiben. Das muss ich nun revidieren. Zum Einen, weil ich dann irgendwann keine Bücher mehr lesen kann, denn vermutlich werden irgendwann auch alle Autoren jünger sein als ich und zum Anderen, weil ich gerade einen unglaublich tollen Debüt-Roman von einer 34-jährigen gelesen habe.

Die Autorin heißt Astrid Rosenfeld und ihr Erstling Adams Erbe. Es geht um Edward Cohen, einen jungen Mann, der in der heutigen Zeit lebt und um Adam, den Bruder seines Großvaters, dem Edward angeblich so ähnlich sieht. Edward hat keine leichte Kindheit. Seinen Vater kennt er nicht, seine naive Mutter verliebt sich in Männer, die ihr schaden und seine energische Oma ist stets bemüht, seine Mutter zu verkuppeln (nur, dass diese sich eben immer für andere Männer entscheidet).

Eines Tages entdeckt Edward auf dem Dachboden des Hauses, in dem schon mehrere Generationen von Cohens gelebt haben, die Lebensgeschichte seines Großonkels Adam, von ihm selbst aufgeschrieben. Die Geschichte beginnt in Berlin, nach dem 1. Weltkrieg. Adam gilt als etwas langsam im Kopf (Andreas Steinhöfel würde ihn vermutlich als “tiefbegabt” :-) bezeichnen), fliegt deswegen gewissermaßen aus der Schule und bekommt einen Privatlehrer. Die engste Bezugsperson in seiner Kindheit wird nicht etwa seine Mutter, sondern seine Oma Edda, die ein besonderes Geschick darin besitzt, sich Männer gefügig zu machen und die in den Augen anderer Menschen lesen kann - zwei “Gaben,” die sich im Laufe der Jahre als sehr brauchbar und sogar lebensrettend herausstellen. Doch das liest besser ein jeder selbst nach…

Mit ihrem Erzähltalent  gelingt es der Autorin, ein so erstes Thema wie die Judenverfolgung im 3. Reich mit einem Humor zu erzählen, der das Absurde, das Grausame voll zum Ausdruck bringt. Adams Erbe stimmt aufmunternd, heiter, zutiefst betroffen und traurig und hinterlässt ganz sicher jeden Leser nachdenklich. Ein Buch, das mich zutiefst berührt hat!

“Cassia & Ky - Die Auswahl”: Der Auftakt einer neuen Phantasie-Reihe

Geschrieben von Jule am 4. Juni 2011 | Abgelegt unter Belletristik

Obwohl ich keine große Phantasie-Leserin bin hat mir das erste Buch von Ally Condie Die Auswahl, das sich auch im Original sehr gut lesen lässt (Matched) so beeindruckt, dass ich am liebsten sofort den zweiten Teil lesen gelesen hätte und mit großer Enttäuschung festgestellt habe, dass er erst im November erscheint (unter dem Titel Crossed). Die Idee der Geschichte ist unheimlich interessant. Es handelt sich um eine - in großen Teilen tatsächlich vorstellbare -  Zukunftsvision, eine Dystopie.

Die Menschen leben in einer kontrollierten Welt, gesteuert von einer unbekannten Society. Alles ist künstlich angelegt. In der Stadt in der die 16-jährige Cassia lebt, gibt es keine natürlichen Wälder mehr, dafür gepflegte, angelegte Grünanlagen. Krankheiten wie Krebs sind weitestgehend ausgerottet, die Menschen haben nichts Schlimmes zu befürchten. Dafür kann sich niemand mehr seinen Beruf selber aussuchen, das wird festgelegt. Genau, wie die Wahl des Ehepartners. Die Menschen hinterfragen nicht, warum auch, sie leben ja ein zufriedenes geregeltes Leben, haben ihre Familie, ihre Häuser, ihre Jobs. Cassia braucht eine Weile, bis sie erkennt, dass sie ein selbstbestimmtes Leben leben möchte. Sie fühlt sich zu ihrem Schulkameraden Ky hingezogen, der eine geheimnisvolle Vergangenheit hat. Und nach und nach kommt heraus, dass es scheinbar noch andere Menschen gibt, die nicht damit einverstanden sind, dass ihr Leben kontrolliert wird.

Der erste Teil von Cassias und Kys Geschichte wirkt für mich wie eine (spannende) Einleitung, das Abenteuer geht erst zum Ende hin los. Und deswegen möchte ich so schnell  wie möglich wissen, wie es weiter geht…

“Little Bee” von Chris Cleave

Geschrieben von Jule am 4. Juni 2011 | Abgelegt unter Belletristik

Little Bee kommt aus dem nigerianischen Busch, hat mit ansehen müssen, wie ihre Eltern umgebracht wurden und ihre Schwester auf bestialische Weise gequält, vergewaltigt und getötet wurde. Nun, nach zwei Jahren in einem britischen Flüchtlingslager, staunt sie über die Probleme der Europäer. Und sie staunt, wie selbstverständlich es für uns ist, zum Supermarkt fahren zu können, wenn die Milch alle ist, einen Fernseher oder Computer zu besitzen und wie leichtfertig wir an die Tankstelle fahren, um unser Auto mit Benzin zu füllen, ohne uns Gedanken zu machen, woher das Öl kommt und wie viel Blut daran klebt. Zum Beispiel das Blut von Litttle Bees Familie, die sterben musste, weil auf ihrem Grund und Boden Ölvorräte gefunden wurden. Sie staunt darüber, dass die Europäer danach streben, glücklich zu sein, während sie froh ist, dass sie in England niemand verfolgt, um sie zu töten.

Doch nicht nur Little Bees Geschichte wird in diesem Roman erzählt, sondern auch die Geschichte der Engländerin Sarah, die, wie der Leser erst nach und nach erfährt, eng mit Little Bees verwoben ist. Zwei Frauen, die - jede auf ihre Weise - mit den Problemen in ihrer Welt fertig werden müssen und die sich - trotz aller Differenzen - lieb gewinnen.

Eine ergreifende und sehr realistische Geschichte! Mein Favorit in diesem Frühjahr und zu Recht auf der Bestsellerliste.

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